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Experimentalbühne im E-Werk

heute: 26.06.2019, 04:56 Uhr

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Experimentalbühne im E-Werk

Freiburger Schauspielschule / FSS


stück & autor

Grundlage für dieses Traumspiel ist der klassische Originaltext von Friedrich Schiller. Aber aus dem großen Bühnendrama wird durch eine Konzentration auf die wesentlichsten Figuren und durch Verdichtungen und Umstellungen im Textkorpus ein spannendes psychologisches Kammerspiel: Was geht in der Figur Elisabeth vor, die Maria jahrelang gefangen hält, bis sie sich schließlich dazu durchringen kann diese „aus der Welt zu schaffen“? Welche Ängste, Nöte und Sehnsüchte beschäftigen sie?

Kann ein anmaßender Blick in ihren Kopf Antworten geben?

Elisabeth ist hin und her gerissen. Sie streitet unentwegt mit sich selbst. Denn für ihr machtbesessenes Alter Ego Cecil steht die Notwendigkeit einer Hinrichtung ganz außer Frage. Ihr Liebhaber Leicester hingegen verfolgt offenbar ganz andere Ziele. Dem schwimmen am Hofe die Felle weg, da Elisabeth eine Verbindung mit Frankreich ins Auge zu fassen scheint. Dabei hatte er doch mal die Wahl zwischen beiden Frauen: Hat er am Ende aufs falsche Pferd – pardon – auf die falsche Königin gesetzt? Und dann erscheint plötzlich eine Figur auf dem Spielfeld, die es als einzige historisch nie gegeben hat: Mortimer.

Zum Stück

Im Jahre 1568 wird die katholische Königin Maria Stuart wegen des Verdachtes auf Beihilfe bei der Ermordung ihres 2. Gatten Henry Stuart (Lord Darnley) aus Schottland verjagt. Sie flieht ausgerechnet nach England zu ihrer reformistischen Cousine Elisabeth I., von der sie sich Schutz und Beistand erhofft.

Diese aber muss nun selbst um ihre Krone fürchten, da Maria aufgrund der Erbfolge ebenfalls einen Anspruch auf den englischen Thron hat. Elisabeth lässt sie – zusammen mit ihrer Vertrauten und Freundin Hanna Kennedy gefangen nehmen, und auf Schloss Fotheringhay in Northamptonshire internieren.

Die Handlung des Stücks setzt 19 Jahre später ein: drei Tage vor Marias Hinrichtung. Elisabeth I. ist als englische Königin in einer problematischen Situation: Lässt sie Maria am Leben, könnte diese ihr den Thron und die Krone streitig machen.. Stimmt sie hingegen der Hinrichtung zu, fürchtet sie, als grausame Herrscherin dazustehen. Ihr Dilemma ist, dass sie nie auf ihre persönlichen Gefühle hören darf, sondern immer gezwungen ist, als öffentliche Person agieren zu müssen. Als Frau hat sie ganz andere Bedürfnisse. Der Preis für ihren Machterhalt ist ein nicht zu heilender Riss durch ihre Persönlichkeit.

Vor diesem Hintergrund entfalten sich nun die letzten Tage im Leben Marias. Alle Personen des Dramas sind dabei historisch verbürgt, bis auf einen fragwürdigen jungen Mann, um den sich auch unsere Inszenierung dreht: Mortimer, ein leidenschaftlicher Katholik und glühender Verehrer Marias. Er erscheint der schottischen Königin als Retter in der Not. Mit seinem Auftritt gibt es plötzlich die Option einer Befreiung für Maria. Aber kann man ihm trauen? Was ist seine eigentliche Motivation? Und was verbindet ihn mit Robert Dudley, dem Grafen von Leicester? Dieser ist nicht nur Berater der englischen Königin, er ist auch Elisabeths Liebhaber. Dabei ist er ein Mann mit Vergangenheit: denn auch ihm scheint Maria nicht gleichgültig zu sein.

Wilhelm Cecil, Baron von Burleigh, der Großschatzmeister, vertritt konsequent die Interessen des Staates und seiner Königin Elisabeth. Er ist ein typischer Machiavellist. Die Frage der Rechtmäßigkeit der Hinrichtung stellt sich für ihn nicht. Für ihn zählt allein die Staatsräson. Und vor der Gefahr der Re-Katholisierung Englands und eines damit drohenden Bürgerkrieges, plädiert er für die Todesstrafe.

Zum Autor

Johann Christoph Friedrich von Schiller, geboren am 10. November 1759 in Marbach am Neckar; gestorben am 9. Mai 1805 in Weimar, 1802 geadelt, war Arzt, Dichter, Philosoph und Historiker. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Dramatiker, Lyriker und Essayisten. Maria Stuart, ein Trauerspiel in fünf Akten, wurde am 14. Juni 1800 im Weimarer Hoftheater uraufgeführt. Es gehört zum Kernbestand der Weimarer Klassik.

Das Drama entstand aus der Enttäuschung über den Umschlag der Französischen Revolution in die Schreckensherrschaft. Damit stellte sich für Schiller die Frage, was der Anlass für diesen Umschlag war und wie ein vernünftiger bürgerlicher Staat den dekadenten Feudalstaat ablösen kann, ohne dass Europa „in Barbarei und Knechtschaft zurückgeschleudert“ wird.

Bei der Frage nach dem Anlass ging er von einer Zerrissenheit des Menschen in Sinne und Geist, dem Verlust seiner Totalität aus: Mit dem Untergang der hellenischen Kultur der alten Griechen sei diese Einheit zerbrochen und die Teile nur noch getrennt in den Individuen vorhanden. Auch der Staat könne das nicht ändern, da er gerade auf diese Individualität baut. In der Folge gibt es nur eine Instanz für die Besserung der Menschheit durch die Wiedergewinnung dieser Harmonie – die Kunst.

Für Schiller sind die meisten Menschen reiner Vernunft nicht zugänglich, da sie „durch Empfindungen zum Handeln bestimmt“ sind. Deshalb müsse „der Weg zum Kopf […] durch das Herz geöffnet werden“.

Elisabeth ist eine typische Vertreterin des nicht authentischen Menschen. Sie kann als Frau und öffentliche Person nicht zu ihrer Totalität finden, sie ist gezwungen, ein Leben im Schein zu leben. Dafür muss sie jedem persönlichen Glück entsagen. Obwohl sie dauernd von Freiheit spricht, ist sie abhängig vom Willen des Volkes, den Anforderungen des Königtums und den Rollenerwartungen, die an sie als weibliche Monarchin gestellt werden.

Maria hingegen findet zu einem selbstbestimmten Leben, nachdem sie alle Fesseln bis hin zur Todesangst abgeworfen hat. Sie kann ihre Moralität und Totalität aber nur durch den Rückzug in die Innerlichkeit bewahren. Im öffentlichen Bereich, in der Politik, unterliegt sie den alten Mächten der adligen Hofgesellschaft. Sie hat eine eigene Vorstellung vom politischen Menschen: Die Freiheit des Individuums muss mit den Bedürfnissen aller nach vernünftigen Prinzipien zur Übereinstimmung gebracht werden.


 eine Produktion der
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